Wer ich bin

Wenn ich über mich erzählen möchte, dann müsste ich mit einem Pinselstrich anfangen...oder mit einem Bleistift, denn Kunst hat mich schon immer begleitet. Mit drei hatte ich quadratische Pferde mit kantigen Mähnen gemalt. Mit Elf konnte ich mich mit dem Kunstlehrer nicht verständigen, welche Farbe am besten zu meiner Laune passte und hatte mir einen Sechs verpasst. Mit sechszehn hatte ich Szenen aus englischen Idyllen gemalt. 

 

Die Kunst ist gleichzeitig jetzt und immer. Sie ist hier und da und öffnet die Tür zur Ewigkeit. Sie friert eine Szene ein und stellt sie der Ewigkeit vor. Und da der Mensch gerne in die Ewigkeit wie in einen tiefen See hinein blickt, so blickt ein Wald, eine enge Gasse in einer kleinen Stadt oder ein Mädchengesicht aus der Unsterblichkeit zurück und lächelt. Deswegen werden wir immer Bilder an die Wände bringen. Um uns so gegenseitig anzuschauen, denn dann sind wir wirklich gegenwärtig, der Wald, die enge Gasse, das Mädchen. Das ist meine Kunst. Ein ewig unvollendeter Akt.

Diana Knepper

Geschichten in Wort und Farbe

 

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